So fährt sich die Zukunft

Es war ein bisschen wie Weihnachten im Februar. Fünf Personen, die einen Audi e-tron reserviert haben, durften am 1. Februar den Audi e-tron zum allerersten Mal selber fahren. Das sind ihre Eindrücke.

Von Max Fischer

Treffpunkt Flugplatz Birrfeld: Hündeler und Spaziergänger staunen über die fünf aneinandergereihten Audi e-tron. High-Tech-Autos, die sie noch nie gesehen haben: Die Zukunft, die jetzt auf die Schweizer Strassen kommt.

Nadir Mandioni auf dem Flugplatz Birrfeld in Lupfig AG.
Nadir Mandioni auf dem Flugplatz Birrfeld in Lupfig AG.

Das Herz der e-tron-Reservierer Nadir Mandioni, Thomas Koller, Donald Waterreus, Beat Moser, Manfred Weiss und Simon Smit schlägt höher. «Die Vorfreude ist die schönste Freude», sagt Manfred Weiss. Sie alle haben monatelang gewartet. Das Auto hin und wieder gesehen. Tolle Videos angeschaut. Über E-Mobilität, Reichweite und Rekuperation mit Freunden und Bekannten gefachsimpelt. Doch jetzt ist der grosse Tag da. «Endlich geht’s zur ersten Fahrt», strahlt Thomas Koller. Und Nadir Mandioni sagt: «Vor vier Monaten war ich an der Weltpremiere in San Francisco – und jetzt darf ich dieses aussergewöhnliche Auto zum ersten Mal selber fahren.»

Die Kofferraumklappe des Audi e-tron kann man dank Virtual Pedal, einem Sensor mit dem Fuss öffnen.
Die Kofferraumklappe des Audi e-tron kann man dank Virtual Pedal, einem Sensor mit dem Fuss öffnen.

Wie kleine Buben: Nadir Mandioni öffnet den Kofferraum, in dem er lässig wie bei einem Fussballschuss mit seinem Bein unter die Hecktüre kickt – diese bewegt sich sanft nach oben. «Hey, schaut, mal, wie das funktioniert», ruft er voll Freude. Er ist ein Elektro-Routinier. Schon seit vier Jahren fährt Mandioni einen Stromer. Nicht Tempo und Zeitgewinn stehen für ihn beim Autofahren im Vordergrund, sondern ein Maximum an Komfort und ein Minimum an Stromverbrauch. Er «segelt» auch nicht gern, er rekuperiert mit Vorliebe. Elektroautos segeln, wenn der Akku weder geladen noch entladen wird. Beim Rekuperieren nimmt der Fahrer das Pedal zurück oder er bremst. Dann produzieren die E-Maschinen Strom, der wieder in den Akku fliesst und verbraucht werden kann.

Das Virtual cockpit des Audi e-tron zeigt an, wie weit die gespeicherte Energie noch reicht.
Das Virtual cockpit des Audi e-tron zeigt an, wie weit die gespeicherte Energie noch reicht.

Diese Fahrweise schont nicht nur die Umwelt, sondern auch das Portemonnaie: «Seit ich elektrisch unterwegs bin, hatte ich nie mehr eine Tempobusse», freut sich Nadir Mandioni. Und auch der Bremsverschleiss ist bei einem Elektrofahrzeug wesentlich geringer. Hinter dem Lenkrad im e-tron fühlt sich Mandioni pudelwohl: «Das Auto wirkt von aussen recht gross, aber es lässt sich handlich-leicht lenken.» Lässig und praktisch findet er das kamerabasierte Tempolimit-Auge: «Automatisch wechselt er von Tempo-50-Abschnitten auf 80er-Strecken. Das ist super. Ich als Fahrer kann mich voll auf die Strasse und den Verkehr konzentrieren.»

Der Adaptive Fahrassistent entlastet den Fahrer besonders im nervigen Kolonnenverkehr oder auf Langstrecken. «Durch automatisches Gasgeben und Bremsen hält das Auto den Abstand zum Vorausfahrenden selber», sagt Mandioni. Das System arbeite sehr weich, sei sehr angenehm, schwärmt er. Vor lauter Freude kann er es nicht lassen, während der Fahrt seine Frau anzurufen. Auf den Sprachbefehl antwortet die sympathische System-Stimme aus dem Off: «Rufe Nicole an.» Es klappt: Die Verbindung steht – samt Bild seiner Gattin im Display.

Der Audi e-tron sei der nächste Schritt zum autonom fahrenden Auto, ist Nadir Mandioni überzeugt. Über längere Strecken lässt er das Auto selber machen. Nimmt ab und zu die Hände vom Lenkrad. Und wenn er das Lenkrad zu lange nicht berührt oder festhält, greift der Notfall-Assistent ein. Und wie: «Hey, schaut mal!», ruft er. «Ich werde wach gerüttelt und der Gurt spannt sich von selber ganz straff. Das ist extrem praktisch und sicher.»

Der e-tron erkennt den Piloten – und speichert bis zu 400 persönliche Parameter in seinem Fahrerprofil ab.
Der e-tron erkennt den Piloten – und speichert bis zu 400 persönliche Parameter in seinem Fahrerprofil ab.

Beim Zwischenstopp auf der Raststätte Neuenkirch. Hier zeigt sich in der Praxis: Laden funktioniert fast so schnell wie tanken. Die Autos haben noch 70 Prozent Stromkapazität. Im Luzernischen ist die schnellste Ladestation der Welt in Betrieb. Power kommt dabei nicht nur aus den Säulen. Kraft steckt auch hinter den Betreibern. Die Autobauer Audi, VW und Porsche sowie BMW, Daimler und Ford haben zusammen IONITY lanciert. Bis 2020 will das Gemeinschaftsunternehmen 400 Ultra-Schnellladeparks an Europas Autobahnen aufstellen. Derzeit sind 54 in Betrieb. In der Schweiz auch an der Gotthard-Raststätte in beiden Fahrtrichtungen, in Grauholz sowie im Heidiland. 43 werden zurzeit gebaut, unter anderem im Tessin in Bellinzona. IONITY ist ein Musterbeispiel einer Kooperation von unterschiedlich denkenden und aufgestellten Unternehmen zugunsten eines übergeordneten Umweltzieles.

Die Ladeklappe des Audi e-tron öffnet und schliesst elektrisch.
Die Ladeklappe des Audi e-tron öffnet und schliesst elektrisch.

Beim Lade-Stopp in Neuenkirch ist Thomas Koller nach der ersten Fahrt mit dem e-tron des Lobes voll: «Das Fahrgefühl ist genial.» Extrem ruhig und leise gleite das Fahrzeug durch die Landschaft, ergänzt Sohn Sandro. «Das sorgt für ein ungemein entspanntes Fahren. Gerade auf langen Strecken ist das sensationell.» Beide sind überrascht, wie gross und stattlich das Auto von aussen wirkt, und wie leicht es sich fahren lässt.

«Nur Fliegen ist schöner», lacht Manfred Weiss. Und das sei schon sehr schön. «Das Fahren, das Auto, das Feeling – es ist einfach ‹affengeil›», schmunzelt er spitzbübisch. Wie Nadir Mandioni ist er von den diversen Assistenzsystemen rundum begeistert: «Was ich jetzt im e-tron erlebe, ist nicht mehr weit vom vollständig selbständig fahrenden Auto entfernt», ist Manfred überzeugt. Auch er schätzt es sehr, dass er nach der Fahrt vom Flugplatz Birrfeld durchs aargauische und Luzerner Seetal bis nach Neuenkirch völlig entspannt aus dem Auto steigt. «Das ist ein ganz neues Fahrerlebnis für mich.»

Für den 2-Meter-Mann Donald Waterreus gibt es einen weiteren Grund zur Freude: «Selbst ich mit meiner Grösse habe in diesem Auto auf dem Fahrersitz und auch auf der Rückbank genügend Platz – ich fühle mich wohl und nicht eingeengt.» Für ihn gibt’s nach der ersten Fahrt mit dem Audi e-tron nur ein Fazit: «Das ist einfach der Hammer!» Und Simon Smit gefällt am meisten, dass das aussergewöhnliche Auto «eigentlich aussergewöhnlich gewöhnlich ist». Er findet den e-tron cool, «aber zum Glück ist er wie ein normaler Audi, und nicht fancy mit Schnickschnack und Schischi.»

Nadir Mandioni probiert den Boost-Modus des Audi e-tron aus.
Nadir Mandioni probiert den Boost-Modus des Audi e-tron aus.

Zurück ins Auto: Jetzt hat Nadir Mandioni Lust, mal die sportliche Seite seines e-tron zu testen. Er wählt den S-Modus – und dann den Boost: «Hey, eine schöne Beschleunigung», lacht er. «Kurz antippen – und schon ist 100 Prozent Leistung da.» Das sei toll. Und es reiche mehr als aus, um in heiklen Situationen Tempo zu machen oder zu überholen. Ihm geht es mehr ums Rekuperieren, das ist sein Lieblingsthema: Er zeigt, wie er bei der Ausfahrt ab der Autobahn nicht einmal aufs Bremspedal drückt, sondern einfach den Fuss vom Gas nimmt, mit dem Elektromotor bremst und so den e-tron auflädt. Auch auf der Fahrt durchs hügelige Seetal demonstriert er noch und noch, wie wenig er aktiv mit dem Druck aufs Bremspedal bremst – wie er einfach durch das Zurücknehmen des Fusses oder das Betätigen der Schaltwippen die Motorbremse aktiviert und so rekuperiert. Das gefällt ihm. Und das findet er der Umwelt und dem entspannten Fahren zu Liebe auch äusserst sinnvoll.

Wer geschickt fährt, steigert die Reichweite des Audi e-tron während der Fahrt.
Wer geschickt fährt, steigert die Reichweite des Audi e-tron während der Fahrt.

Für Nadir Mandioni ist nach der ersten Fahrt im Audi e-tron klar: «Vom Motor über die Ausstattung, die Verarbeitung und das Design ist alles tipptopp! Das ist wirklich Premium.» Das Anfahren sei leichtfüssig und sanft, der Kick-down im Boost-Modus eindrücklich – und selbst im Tunnel mit 100 km/h sei das Auto ruhig wie ein leichter Windstoss. «Es war ein super Entschluss, sich schon so früh für den e-tron zu entscheiden. Dieses Auto entschädigt für die lange Wartezeit!»

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