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Das Elektroauto und die 2000-Watt-Gesellschaft

Ab 2020 gilt in der Schweiz für Neufahrzeuge ein Zielwert von 95 Gramm CO2-Ausstoss pro Kilometer. Eine grosse Chance für Elektroautos: Diese stossen rund einen Viertel weniger Treibhausgase aus als ein Benziner der gleichen Fahrzeugkategorie. Das zeigen Umweltanalysen mit einer umfassenden Klimabilanz, die alle Aspekte des Strassenverkehrs einbeziehen – also auch den Bau- und Unterhalt der Strassen die Autoproduktion und -Entsorgung, Treibstoff- beziehungsweise Stromproduktion und die Emissionen beim Fahren.

 

Markant ist der Vorteil beim Einsatz von Ökostrom. «Damit die Elektromobilität die ihr zugedachte Rolle in der Energiestrategie 2050 erfüllen kann, ist der Einsatz von Ökostrom zwingend erforderlich», halten die Experten des weltweit tätigen Beratungsunternehmens Ernst Basler und Partner in ihrem jüngsten Energiebericht fest. Also erneuerbare Energie aus Wasser, Sonne, Biomasse und Wind. Um das Klimaziel 2020 zu erreichen, muss der Anteil Elektroautos gemäss Auto-Schweiz von 2,7 Prozent im vergangenen Jahr auf 10 Prozent bis 2020 erhöht werden.

 

Noch kostet ein Elektroauto mehr als ein mit herkömmlichem Treibstoff betriebenes Fahrzeug. Doch bei den momentanen Strompreisen kommt eine 100-Kilometer-Fahrt auf nicht einmal drei Franken zu stehen. Bei einem Benziner sind es rund dreimal mehr. Das heisst: je mehr Kilometer man fährt, desto günstiger wird das Elektroauto. Und man stösst erst noch kein CO2 aus. Kommt hinzu, dass man für Elektrofahrzeuge in einigen Kantonen keine oder eine reduzierte Motorfahrzeugsteuer bezahlt. Da freuen sich Portemonnaie und Umwelt.


Das Zauberwort bei Elektro- und Hybridfahrzeugen heisst Rekuperationstechnik oder Energierückgewinnung. Stop and go – gerade im Strassenverkehr lauert die teure und umweltbelastende Verschwendung. Eigentlich ist es ganz banal: Der Motor erzeugt Energie, die das Bremsen wieder stoppt. Dabei erwärmen sich die Bremsen, die sich dadurch abnutzen. Die Energie ist verloren. Anders bei einem Elektro- oder Hybridauto: Wenn der Fahrer einen Berg hinunter fährt oder er aktiv auf die Bremse tritt, wird der Elektromotor als Generator genutzt. Die Räder übertragen die Bewegungsenergie über den Antriebsstrang zum Elektromotor – ähnlich wie ein Dynamo bei einem Velo funktioniert. Der Elektromotor bremst das Auto, indem er Energie aufnimmt und in elektrische Energie umwandelt. Die so zurückgewonnene Energie wird in der Batterie gespeichert und dem Elektro- oder Hybridfahrzeug beim Anfahren oder Beschleunigen zur Verfügung gestellt. Gerade bei Bergabfahrten ist die Rückgewinnung überdurchschnittlich hoch.

 

Für umweltbewusste Elektroauto-Lenker gibt es in der Schweiz zudem ein weiteres unschlagbares Argument: Hier wird der Strom nicht aus Kohle oder Öl gewonnen – unter anderem dank unseren Stauseen. Das bedeutet, dass nicht nur im Verkehr, sondern auch bei der Energieproduktion weniger CO2 verursacht wird.

Das ist die 2000-Watt-Gesellschaft

Alle reden von ihr. Im In- und Ausland. «Erfunden» hat sie die Schweiz: Das Modell der 2000-Watt-Gesellschaft entstand anfangs der 90er Jahre im Umfeld der Eidgenössischen Technischen Hochschule ETH Zürich. Die Hinweise auf einen Klimawandel nahmen zu. Kritische Wissenschafter stellten sich die Frage nach einer nachhaltigen und gerechten Energieversorgung.

Als Ziel legten sie eine Leistung von 2000 Watt pro Kopf fest. Das entsprach 1990 dem Weltjahresverbrauch von 17520 Kilowattstunden (48 Kilowattstunden pro Tag). Gemäss Spezialisten der ETH ist es möglich, auf diesen Wert zurückzukommen. Vor allem durch Erhöhung der Effizienz an Gebäuden, Geräten und Fahrzeugen. Aber auch durch die Entwicklung neuer Technologien.

 

In der Schweiz haben der Energiebedarf und die Treibhausgasemissionen pro Einwohner jahrzehntelang ständig zugenommen. Seit dem Höhepunkt im Jahr 2000 mit deutlich über 6000 Watt geht der Verbrauch laut der Fachstelle «2000-Watt-Gesellschaft» pro Kopf markant zurück: 2010 lag er noch bei 6045 Watt, 2016 bereits bei 4857. Gemäss den Energie-Profis leben wir effizienter, ist doch der Gesamtenergieverbrauch trotz Zunahme der Bevölkerung konstant. Das erfreuliche Resultat sei aber auch auf die ambitionierte Energiepolitik der letzten Jahre zurückzuführen.

 

In der Tat: Über hundert Gemeinden und Städte, darunter Zürich, Luzern, Aarau, Winterthur und Zug, sowie 23 der 26 Kantone haben die Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft in ihren energiepolitischen Zielvorgaben verankert. In Zürich, Luzern und Aarau haben sich die Stimmbürger deutlich für diesen Schritt entschieden. Das ist nicht alles: Hinzu kommen kurzfristig noch 250 2000-Watt-Areale mit einer Bevölkerung in der Grössenordnung einer Stadt wie Winterthur und mittel- bis langfristig weitere 900 Areale, die etwa so viele Menschen wie die Stadt Zürich Platz geben.

 

Als Leuchtturmprojekt gilt Greencity in Zürich – bis 2020 sollen über 700 Wohnungen konsequent nach den 2000-Watt-Richtlinien auf dem ehemaligen Areal der Papierfabrik Sihl erstellt werden. Oder das Schweighofareal in Kriens bei Luzern – die erste 2000-Watt-Siedlung in der Zentralschweiz.

 

Ziel ist es, bis im Jahr 2100 den Energieverbrauch pro Einwohner auf 2000 Watt und die Treibhausgas-Emission auf 1 Tonne pro Person und Jahr zu reduzieren. Für das Jahr 2050 gibt es zwei Zwischenziele: 3500 Watt und 2 Tonnen. Erreicht werden sollen diese nicht nur mit umweltfreundlich angetriebenen Autos. Auch in den eigenen vier Wänden gibt es ressourcenschonende Alternativen: Das Wachstum an erneuerbaren Energien und überschüssig produziertem Sommerstrom verlangt neue Speichermöglichkeiten.

 

Das «Mehrfamilienhaus mit Energiezukunft» im zürcherischen Leimbach ist ein Beispiel der Umwelt Arena Schweiz. Das Kraftwerk mit Photovoltaikanlagen auf Dach und Fassaden zeigt eine wegweisende Lösung für eine stabile Energieversorgung. Sogar im Winter kann das Haus Strom ins öffentliche Netz abgeben – bis jetzt undenkbar für ein Photovoltaikhaus. Der Clou: Überschüssiger Sommerstrom wird extern in Biogas umgewandelt (Power-to-Gas mit Methanisierung) und ins Erdgasnetz eingespiesen. Im Winter wird das so produzierte Biogas über das Erdgasnetz wieder ins Zukunftshaus zurückgeliefert. So kann der CO2-Ausstoss um bis zu 50 Prozent gesenkt werden. Die wichtige Rolle der Energiezentrale übernimmt die neu entwickelte Hybridbox, eine innovative Art, Energie zu sparen. Und im Vergleich zu Ölheizungen wird der CO2-Ausstoss um bis zu 50 Prozent gesenkt. Mit e-Gas/Biogas wird das Haus CO2-neutral betrieben.

 

Übrigens: Die selbe Technologie nutzt Audi auch bei seinen g-tron-Modellen. Überschüssiger Strom aus Windkraftanlagen wird in der Audi e-gas-Anlage zur Elektrolyse, der Wasserstoff wird zu Methan – dem e-gas von Audi.