Das müssen Sie über das Heimladen wissen

Wer mit Strom fahren will, muss laden – am besten daheim. Hier finden Sie die Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Heimladen.

Nie mehr tanken! Das ist eines der Versprechen der Elektromobilität: Wer am Morgen ins Elektroauto mit vollgeladener Batterie steigt und losfährt, hat in den allermeisten Fällen genug Energie für den ganzen Tag dabei. Der durchschnittliche Arbeitsweg beträgt in der Schweiz laut dem Bundesamt für Statistik 15 Kilometer (Stand 2017).

Die 30 Kilometer bis zum Arbeitsplatz und zurück bringen moderne Elektroautos nicht mal ins Schwitzen: Der Audi e-tron 55 quattro etwa kommt mit einer vollgeladenen Batterie gemäss dem standardisierten Testprotokoll WLTP bis zu 436 Kilometer weit. Die tatsächliche Reichweite hängt aber auch vom persönlichen Fahrstil, von der Streckenart, den physikalischen Konditionen und weiteren Faktoren ab – hier kann man sie berechnen.

Irgendwann muss jedes Auto ans Netz: Der Strom-Anschluss eines Audi e-tron – optional hat er sogar auf jeder Seite einen. (AUDI)
Irgendwann muss jedes Auto ans Netz: Der Strom-Anschluss eines Audi e-tron – optional hat er sogar auf jeder Seite einen. (AUDI)

Damit das Prinzip Elektromobilität wirklich funktioniert, gehört aber fast zwingend ein zweites Schlagwort dazu: Heimladen. Natürlich kann man sein Auto an öffentlichen Stationen laden – es gibt ja immer mehr davon. Doch am sinnvollsten ist es, man hängt das Auto jeweils abends, wenn man heimkommt, an den Stecker und lädt die Batterien über Nacht auf. So fährt man tagsüber mit günstigem Niedertarif-Strom und muss sich keine Gedanken ums Nachladen machen.

Theoretisch ist Heimladen ganz einfach. Jedem Audi e-tron liegt ein «e-tron Ladesystem kompakt» mit Adapter für Haushalts- und Industriesteckdosen bei. Eine gewöhnliche Haushalts-Steckdose hat allerdings eine maximale Ladeleistung von gerade mal 2,3 kW.

Das kompakte Ladesystem lässt sich prima im Front-Kofferraum des Audi e-tron verstauen. (AUDI)
Das kompakte Ladesystem lässt sich prima im Front-Kofferraum des Audi e-tron verstauen. (AUDI)

Eine leere Batterie eines Audi e-tron 55 quattro mit einer nutzbaren Batteriekapazität von 86 kWh ganz mit Haushalts-Steckdosen-Strom aufzuladen, dauert theoretisch über 45 Stunden und kommt in der Praxis nur in Notfällen in Frage – etwa im gemieteten Ferienhaus. Schneller geht es, wenn man Zugriff auf einen Industriestecker hat: Das beim Audi e-tron mitgelieferte «e-tron Ladesystem kompakt» hat einen sogenannten CEE-16-Anschluss. Damit ist das Auto ab Industriesteckdose nach rund 8½ Stunden voll aufgeladen.

Zu Hause empfiehlt sich die Installation einer fix installierten Ladestation – im Fachjargon «Wallbox» genannt. Der Audi e-tron kann ab Werk mit bis zu 11 kW laden. Damit dauert es theoretisch rund 8½ Stunden, bis eine leere Batterie vollgeladen ist. In der Praxis fahren Elektroauto-Lenker ihre Batterien aber nie ganz leer – und laden sie meistens auch nicht ganz voll, ausser eine längere Fahrt etwa in die Ferien steht an.

Doch für so eine Wallbox braucht es die richtige Infrastruktur.

Ein Audi Q7 TFSI e 3.0 TDI quattro beim Laden. (AUDI)
Ein Audi Q7 TFSI e 3.0 TDI quattro beim Laden. (AUDI)

Viele Schweizer Stromanbieter haben heute Antworten auf die Ladebedürfnisse von Elektroauto-Besitzern. Sie sind so oder so Anlaufstelle für alle, die sich Gedanken über eine Wallbox machen: Will man mehr Ladeleistung als 3,6 kW, braucht man eine Genehmigung des Netzbetreibers. Eine andere mögliche Anlaufstelle ist ein qualifizierter Elektriker, denn am Ende muss er eine Leitung vom Hausverteilerkasten bis zum Ladepunkt ziehen.

Klar ist: Wer sein Haus oder seine Wohnung besitzt, hat einen einfacheren Weg zur Wallbox – Mieterinnen und Mieter sind auf die Kooperation des Vermieters angewiesen. Das Interview mit «Beobachter»-Berater und Jurist Daniel Leiser unten hilft Ihnen weiter.

Soforthilfe für Wallbox-Interessenten bietet Audi in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Energiekonzern Alpiq an. Im Heimlade-Kalkulator kann man seine ganz persönliche Wohn- und Strom-Situation eingeben, erhält anschliessend eine grobe Schätzung der anfallenden Kosten und ein Angebot für eine persönliche Beratung.

Ein Spezialist bei der Installation einer Wallbox. (Philippe Rossier)
Ein Spezialist bei der Installation einer Wallbox. (Philippe Rossier)

Noch vor der Installation muss man sich schliesslich für ein bestimmte Wallbox entscheiden. Heute gibt es Exemplare, die ein paar Hundert Franken kosten, es geht aber auch bedeutend teurer. Manche Geräte haben intelligente Steuerungen, lassen sich mit Apps überprüfen oder spielen besonders gut mit der Solarstromanlage auf dem Dach zusammen. Am besten, man lässt sich hier von einem Spezialisten beraten, damit man die Wallbox kauft, die zu einem passt, und nicht Features bezahlt, die man niemals nutzen wird.

Günstiger wird die Wallbox übrigens auch, wenn man Fördermassnahmen in Anspruch nimmt. Verschiedene Kantone, Gemeinden und Städte fördern nicht nur den Kauf und den Besitz von Elektroautos, sondern auch Lade-Installationen. Eine Übersicht hat der Verband Swiss eMobility zusammengestellt.

Der Strom-Spickzettel

Liegt bei Ihnen der Physikunterricht schon länger zurück und Sie können sich nicht mehr mit Halbwissen durchmogeln, wenn es um Elektromobilität geht? Hier sind die wichtigsten Begriffe ums Laden erklärt:

Watt (W), Kilowatt (kW): Masseinheit für Leistung. Das kann etwa Motorenleistung sein (die Elektromotoren im Audi e-tron 55 quattro leisten bis zu 300 kW, das wären umgerechnet in die alte Einheit 408 PS), aber auch Ladeleistung (zum Beispiel die 11 kW, mit der man einen e-tron 55 quattro laden kann).

Volt (V): Masseinheit für Spannung. Das europäische Stromnetz hat 230 V, die Hochvolt-Batterie im Audi e-tron 396 V – für alle Fragen rund ums Laden spielt die Spannung aber keine Rolle, alles wird automatisch geregelt.

Wattstunde (Wh), Kilowattstunde (kWh): Masseinheit für Kapazität. Zum Beispiel einer Batterie im Auto. Audi unterscheidet zwischen Bruttokapazität (theoretisch verfügbar, beim Audi e-tron 55 quattro etwa 95 kWh) und Nettokapazität (tatsächlich nutzbar, beim e-tron 55 quattro 86 kWh).

AC/DC: Steht für Alternating Current beziehungsweise Direct Current, auf Deutsch Wechsel- und Gleichstrom. Aus der Steckdose genauso wie aus der Wallbox daheim fliesst Wechselstrom (AC). Die Batterie im Auto kann nur Gleichstrom (DC) speichern. Bei einer Normalladung mit Wechselstrom wandelt der im Auto verbaute Gleichrichter den Wechsel- in Gleichstrom um. Der Audi e-tron kann auch Gleichstrom verarbeiten, etwa an öffentlichen Schnellladestationen – mit bis zu 150 kW Leistung (e-tron 55 quattro). Damit dauert es bloss etwa 30 Minuten, bis die Batterie von 5 auf 80 Prozent geladen ist. In Schnellladestationen ist schon ein Gleichrichter verbaut – durch das Ladekabel fliesst also Gleichstrom direkt in die Batterie.

«Beobachter»-Berater und Jurist Daniel Leiser. (Foto: Paul Seewer)

«Beobachter»-Berater und Jurist Daniel Leiser. (Foto: Paul Seewer)

Muss der Vermieter meine Ladestation bezahlen?

Ein Elektroauto kaufen, in der Miet-Tiefgarage an die Steckdose hängen, der Umwelt etwas Gutes tun. Ist es so einfach?
Daniel Leiser: Der Pfuus kommt ja aus der Steckdose, denkt man. Aber so einfach ist es nicht, gerade bei Gemeinschaftsgaragen. Zum Beispiel, weil der Strom nicht separat abgerechnet wird und über den Gemeinschaftszähler läuft. Anfangs mag das gut gehen, aber irgendwann merkt das der Nachbar mit dem Benziner vielleicht. Und dann gibts Probleme.

Was raten Sie?
Solche Angelegenheiten sollte man immer im Voraus klären. Als Mieter beim Vermieter, als Stockwerkeigentümer bei der Eigentümergemeinschaft. Am besten früh genug – wenn man sich überlegt, ein Elektroauto anzuschaffen und nicht erst, wenn man es schon gekauft hat.

Muss mir der Vermieter denn eine eigene Stromleitung legen? Oder sogar eine Ladestation installieren?
Nein, das muss er nicht. Aber man kann mit guten Argumenten viel erreichen. Eine Ladestation in einer grossen Garage etwa kommt dereinst womöglich auch anderen Mietern zugute, wenn Elektrofahrzeuge noch populärer werden. Die Erfolgschancen hängen natürlich auch mit dem Aufwand zusammen. Wenn man einfach nur eine neue Leitung in einen Kanal ziehen muss, sind Sie besser dran, als wenn die Bauarbeiter kommen müssen.

Haben Mieter Druckmittel?
Man kann natürlich erwähnen, dass man sich bei einem Nein nach einer neuen Wohnung umschauen wird. Mittelfristig macht das ja auch Sinn. Aber je nach Wohnmarkt-Situation sind die Möglichkeiten da sehr eingeschränkt, und so eine «Drohung» ist nicht besonders wirkungsvoll.

Und wenn man die Ladestation aus eigener Tasche bezahlt und installieren lässt?
Auch das geht nur mit der Erlaubnis des Vermieters.

Angenommen, der Vermieter gibt sein Einverständnis. Was muss man dann beachten?
Wichtig ist, dass alles schriftlich festgehalten wird. Ist die Zusage bloss mündlich, bekommt man sonst beim Auszug zehn Jahre später und nach einem Vermieter-Wechsel Probleme.

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